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Technikradar für den Mittelstand

Ladeinfrastruktur im Unternehmen: Vom Fahrprofil zum Standortkonzept

Zwei Elektro-Firmenwagen laden an Ladesäulen vor einem Unternehmensgebäude.

Eine passende Ladeinfrastruktur beginnt mit dem Einsatzplan der Fahrzeuge. Bevor Ladepunkte ausgewählt werden, sollten Fahrstrecken, Rückkehrzeiten und verfügbare Ladefenster bekannt sein. Erst daraus ergibt sich, welche Infrastruktur am Standort sinnvoll ist.

1. Den Bedarf nach Nutzergruppen erfassen

Unterscheiden Sie zwischen betrieblichen Fahrzeugen, Mitarbeiterfahrzeugen und Besuchern. Diese Gruppen haben häufig unterschiedliche Standzeiten und Anforderungen. Ein Fahrzeug, das zuverlässig über Nacht am Standort steht, stellt andere Anforderungen als eines, das zwischen zwei Touren rasch Energie benötigt.

Erfassen Sie je Fahrzeug oder Fahrzeuggruppe tägliche Kilometer, typische und außergewöhnliche Einsatztage sowie Ankunft und Abfahrt. Notieren Sie außerdem, ob außerhalb des Standorts geladen werden kann und wie verlässlich diese Möglichkeit ist.

2. Energiebedarf und Ladeleistung auseinanderhalten

Energie wird in Kilowattstunden (kWh) angegeben, Leistung in Kilowatt (kW). Die Energiemenge beschreibt, wie viel nachgeladen werden soll. Die Leistung beeinflusst, in welcher Zeit dies möglich ist. Eine einfache Planungsrechnung kann erste Größenordnungen verdeutlichen.

Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Benötigt ein Fahrzeug täglich 30 kWh zusätzliche Batterieenergie und steht zehn Stunden am Standort, ergeben sich rechnerisch durchschnittlich 3 kW je Fahrzeug. Ladeverluste, Reserven und Einschränkungen des Fahrzeugs sind dabei noch nicht berücksichtigt. Das Beispiel ist keine Dimensionierungsempfehlung.

Entscheidend ist zudem, ob viele Fahrzeuge gleichzeitig laden müssen. Die Summe der Nennleistungen aller Ladepunkte beschreibt nicht automatisch die erforderliche Dauerleistung am Standort.

3. Standort und Netzanschluss früh prüfen

Lassen Sie verfügbare Anschlussleistung, bestehende Verbraucher, Leitungswege und mögliche Ausbauflächen von qualifizierten Fachleuten prüfen. Die verfügbare elektrische Leistung und gegebenenfalls erforderliche Anschlussarbeiten können das Projekt wesentlich beeinflussen.

Lastmanagement verteilt oder begrenzt die Ladeleistung nach festgelegten Regeln. Es kann vorhandene Kapazitäten besser nutzbar machen, erzeugt aber keine zusätzliche Energie. Die Planung muss weiterhin sicherstellen, dass die Fahrzeuge zu ihren Abfahrtszeiten ausreichend geladen sind.

4. Den späteren Betrieb mitplanen

Eine Einkaufsliste aus Ladepunkten und Kabeln reicht nicht aus. Klären Sie, wer laden darf, wie Fahrzeuge oder Nutzer zugeordnet werden, wer Störungen bearbeitet und welche Daten für die betriebliche Auswertung benötigt werden. Abrechnung, Zugangssteuerung und die Einbindung vorhandener Systeme gehören in die Anforderungen an Anbieter.

  • Welche Abfahrten haben bei knapper Leistung Vorrang?
  • Wie wird eine Störung erkannt und gemeldet?
  • Was passiert bei Ausfall der Internetverbindung?
  • Wie lässt sich der Standort später erweitern?
  • Welche laufenden Kosten entstehen für Betrieb und Betreuung?

5. Mit einem belastbaren Konzept Angebote einholen

Vergleichen Sie Angebote anhand identischer Fahrprofile und Standortinformationen. Trennen Sie einmalige Errichtung, gegebenenfalls notwendige Anschlussarbeiten und laufende Betriebskosten. Halten Sie fest, welche Annahmen noch überprüft werden müssen.

Für Betriebe mit Lkw-Flotten stellt die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur einen Leitfaden zum Depotladen sowie eine 2026 erschienene Kurzanleitung bereit. Diese behandeln den Weg von der Bedarfsermittlung über den Netzanschluss bis zum Betrieb und sind speziell auf diese Fahrzeuggruppe ausgerichtet.

Mittelstands-Check

  • Relevant für: Betriebe mit eigenen Stellplätzen und planbaren Fahrzeugbewegungen.
  • Voraussetzungen: belastbare Fahrprofile, Standortprüfung und klare Betriebsverantwortung.
  • Grenzen: Lange Standzeiten helfen nur, wenn tatsächlich ausreichend Energie bereitgestellt werden kann.
  • Nächster Schritt: Fahr- und Standzeiten über repräsentative Betriebstage erfassen.

Weiterführende Planungshilfe

Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur: Leitfaden und Kurzanleitung zum Depotladen für Lkw.

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